Luthers Botschaft für Jugendliche?

Umgeben von Nervennahrung, Textmarkern und IKEA-Bleistiften, umfangreicher Fachliteratur und unzähligen Arbeitsblättern aus vier Oberstufensemestern blicke ich konzentriert auf meine Reli-Lernzettel. Gerade geht es um Martin Luther: Sola fide, sola gratia, sola scriptura, solus Christus – das sind gewissermaßen die Slogans für Luthers Botschaft.

Mir schießen viele Fragen durch den Kopf: Was möchte, ja, was kann Luther uns sagen? Gerade uns Jugendlichen, die nun fast 500 Jahre nach seinem großen Thesenanschlag in einer völlig anderen Welt aufwachsen?

Luther sagt, dass ein gläubiger Christ allein durch den Glauben an Gott (sola fide) und allein durch dessen verzeihende Güte (sola gratia) von Gott angenommen und für gut befunden wird. Zwischen Gott und Mensch steht dabei nur Gott selbst in der Person Jesus Christus (solus Christus). Entscheidende Quelle für den christlichen Glauben ist allein die Bibel (sola scricptura).

Aus diesen Ideen folgt: Durch den Glauben an Gott tust du Gutes. Du drängst darauf, Gottes Liebe weiterzugeben. Gleichzeitig nimmt Gott dich in deinem Glauben an, wie du bist, mit „all deinen Farben und deinen Narben“. Trotz deiner Grenzen und Fehler weiß er, „wie schön du bist“. Ich finde, Luthers Botschaft bestärkt uns gerade heute im Glauben, im Vertrauen auf Gott und im Alltag: Anerkennung durch andere hängt für Jugendliche heute oft von möglichst guter Selbstdarstellung und somit vom Streben nach Perfektion ab – mehr Likes auf ein Bild durch den richtigen Filter, die passende Kleidung,
die beste Pose. Auf all das kommt es bei Gott nicht an: Nicht das oft irreführende Streben nach Perfektion, sondern der Glaube allein erbringt uns Gottes Anerkennung. Gott likt eben jedes Ebenbild.